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Archive for the ‘Allgemein’ Category

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Feb 18

Die Ursachen der Finanzkrise

Interview mit Dr. Werner Rügemer zum Thema „Die Ursachen der Finanzkrise – oder warum wir die Staatsschulden nicht zurückzahlen sollten“

Dieses Interview wird von der Gulli Redaktion unter einer freien Creative Commons Lizenz

veröffentlicht. Es darf von Privatpersonen und Firmen veröffentlicht werden, ohne den Urheber

(Gulli Redaktion) um Genehmigung zu bitten. Es darf gekürzt veröffentlicht werden, sofern der

Sinn nicht verfälscht wird. Es darf kommerziell verwertet werden, sofern die Gulli Redaktion

darüber informiert wird. Download des Interviews als PDF bitte hier klicken. Um Information

nach Veröffentlichung wird freundlich gebeten.

Kontakt: ghandy@gulli.com

Interview:

Ihr voller Name: Dr. Werner Rügemer

Ausbildung / Studium / Profession: Volksschule und Gymnasium in der Rhön, Studium der

Literaturwissenschaft, Pädagogik und Philosophie in München, Tübingen, Berlin und Paris;

Philosophie-Promotion an der Universität Bremen zum Thema „Philosophische Anthropologie und

Epochenkrise“; Publizist und Berater. Lehrauftrag am Lehrstuhl für Politikwissenschaft in der

Humanwissenschaftlichen Fakultät (Lehrerausbildung) an der Uni Köln. Schwerpunkte sind

Privatisierung, Public Private Partnership, Kölner Klüngel, Nation Building.

Karriere-Meilensteine: 1969 bis 1973 Geschäftsführer der deutschen Sektion der

Freiwilligenorganisation Service Civil International; 1974 bis 1989 Redakteur der Zeitschrift

„Demokratische Erziehung“, seitdem selbständiger Publizist, Berater, Lehrbeauftragter und

Stadtführer.

Alter: 67

Ihre Website? http://www.werner-ruegemer.de/

Interviewer: Herr Dr. Rügemer, vielen Dank für das nette Treffen vor einiger Zeit im Literaturkaffee

Goldmund in Köln. Wir haben mehr als 3 Stunden bei Vollmilch, Latte Macchiato und Mineralwasser

dieses Interview vorbereitet. Im Interview möchten wir unseren Lesern die Ursachen für die

Entstehung der gegenwärtigen Finanzkrise offenlegen. Offensichtlich werden wichtige Punkte in den

Massenmedien nicht erwähnt, zensiert, beschönigt… Dazu bedarf es vorab noch eines Crashkurs’ in

Sachen Zentralbank- und Mindestreserve-System, da man ohne dieses Grundwissen nach dem

Interview wohl genauso klug wäre wie zuvor. Man könnte hierzu wohl entweder den Film „Money as

Debt“ oder die erste Hälfte des etwas aufwändiger produzierten Films „Zeitgeist 2 – Addendum“

empfehlen. Natürlich könnte man auch als Buch „Mankiw – Volkswirtschaftslehre“ lesen. Würden Sie

als Lehrbeauftragter der Uni Köln diese Empfehlungen befürworten?

Abbildung: Dr. Werner Rügemer im Literaturkaffee Goldmund in Köln, Juli 2009

Dr. Werner Rügemer: Die genannten Filme und das Buch kenne ich nicht. Ich kann aber den

Dokumentarfilm „Let’s make money“ empfehlen, an dem ich mitgewirkt habe, ebenso den Film „The

Company“. Zwei Bücher gehören an der Universität gegenwärtig zu meinen Empfehlungen: David

Harvey, A Brief History of Neoliberalism und Naomi Klein, Die Schock-Strategie. In meinen Büchern

über Privatisierung, Public Private Partnership, Cross Border Leasing und über die Berater habe ich

Mechanismen und Akteure im einzelnen beschrieben.

Interviewer: Beschreiben Sie bitte, was die Finanzkrise ist und was sie für den Bürger bedeutet?

Dr. Werner Rügemer: Die Finanzkrise besteht darin, dass das theoretisch endlose Schnellballsystem,

das die Finanzakteure untereinander aufgebaut haben, in den zentralen kapitalistischen Staaten an

mehreren Stellen fast gleichzeitig zusammengebrochen ist. Die Finanzakteure geben sich gegenseitig

keine Kredite mehr, kaufen sich gegenseitig keine Finanzprodukte mehr ab und fordern jetzt die

Staaten auf, so viele Verbindlichkeiten zu übernehmen, dass das System wieder anläuft. Weil die

„Realwirtschaft“ im neoliberalen Renditewettlauf extrem kreditabhängig geworden ist, bricht auch sie

bei der geringsten Konjunkturschwankung ein. Für die Bürger heißt das, wenn es mit den staatlichen

Rettungsmaßnahmen so weitergeht: noch mehr Staatsverschuldung, noch mehr Kahlschläge im

sozialen Bereich, bei Bildung und Infrastruktur, Erhöhung direkter und indirekter Steuern und

Gebühren, Einkommensabsenkungen und vor allem Arbeitslosigkeit.

Interviewer: In diesem Interview möchten wir zuerst beschreiben, durch welche Umstände es zur

Finanzkrise gekommen ist. Wie Sie sagten, sei die grundlegende Voraussetzung ein wie in den

beiden Filmen beschriebenes FIAT – Geldsystem in Verbindung mit einem nicht kontrollierbaren

Mindestreservesystem. Wie können die Bubbles entstehen?

Dr. Werner Rügemer: Die Finanzkrise wurde durch die staatlich unkontrollierte Geldschöpfung der

Finanzakteure verursacht. Ich sage bewusst „Finanzakteure“, weil es nicht nur um Banken geht; zu

den Finanzakteuren gehören auch Hedgefonds, Private Equity-Fonds, Finanztöchter von Konzernen

und ähnliche. Und es geht nicht nur um privatwirtschaftliche Banken, sondern auch um staatliche, in

Deutschland vor allem um die Landesbanken und um die Bank des Bundes, die Kreditanstalt für

Wiederaufbau (KfW), sie haben das privatwirtschaftliche Vorbild nachgeahmt und zum Teil sogar zu

übertreffen versucht.

Ihre Aktivitäten, insbesondere während des letzten Jahrzehnts, bestanden nicht vor allem darin, an

Unternehmen, Staaten, Kommunen, Häuslebauer und Kühlschrankkäufer Kredite zu vergeben. Ihre

bei weitem umfangreichsten Aktivitäten bestanden darin, vergebene Kredite zu einem Finanzprodukt

zu machen, sich gegenseitig Kredite zu geben und sich gegenseitig Kredite zu verkaufen,

gegenseitige Wetten abzuschließen, und dies in einem offenen Schneeballsystem. Hinzukam das

Investmentbanking, also Fusionen und Übernahmen von Unternehmen durch Kredite zu finanzieren

und gleichzeitig damit noch hohe Gebühren zu kassieren.

“Die relative Regulierung des Finanzsystems wurde abgeschafft“

Die relative Regulierung des Finanzsystems, die nach der ersten Weltwirtschaftskrise 1928-1932

aufgebaut wurde, wurde seit Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts schrittweise abgeschafft,

„dereguliert“. Die Führung lag bei den beiden Finanzzentren Wall Street und City of London, bei der

englischen und der US-Regierung und natürlich bei den US-Banken, den US-Wirtschaftsprüfern und

den US-Wirtschaftskanzleien. Alle europäischen Banken und Regierungen haben sich daran

orientiert. Außerdem haben die US-Banken, -Wirtschaftsprüfer und -Kanzleien längst Niederlassungen

in allen wichtigen Staaten.

Die wesentlichen allgemeinen Prinzipien dieser Deregulierung sind folgende:

1. Die Finanzakteure können durch gegenseitige Geschäfte (bei Banken heißen sie

„Interbankengeschäfte“) Geld schöpfen, ohne von Zentralbankgeld abhängig zu sein und ohne

von den Zentralbanken oder staatlichen Agenturen kontrolliert zu werden.

2. Diese Transaktionen werden nicht in den Bilanzen aufgeführt, sondern über „außerbilanzielle

Zweckgesellschaften“ abgewickelt, die zudem meist in Finanzoasen wie dem US-Bundesstaat

Delaware, auf den Cayman Islands usw. ihren juristischen Sitz haben; dadurch entgehen sie

sogar den innerbetrieblichen Kontrollorganen wie den Aufsichtsräten, sind aber von den

Wirtschaftsprüfern abgesegnet.

3. Diese Transaktionen, als „strukturierte Finanzprodukte“ bezeichnet, wurden durch ein

selbstreferentielles System „renommierter“ Spezialisten abgesichert, zu dem die internen

Manager der Finanzakteure sowie Ratingagenturen, Versicherungsgesellschaften, Anwälte,

Wirtschaftsprüfer gehören; sie bestätigen sich gegenseitig, dass alles in bester Ordnung ist,

die Versicherungen kassieren Prämien für eine mehr oder weniger fiktive Versicherung.

Deshalb sind die Produktbeschreibungen und Verträge hunderte, manchmal tausende Seiten

dick.

Interviewer: Welche Finanzprodukte sind es genau, die das Weltwirtschaftssystem so an den Rand

des Zusammenbruchs gebracht haben?

Dr. Werner Rügemer: Die wesentlichen Finanzprodukte sind:

- Verbriefung, also der Weiterverkauf von Krediten. Dies geschah meistens sogar, ohne dass

die ursprünglichen Kreditnehmer informiert wurden. Jede langfristige Zahlungsverpflichtung

(Mietvertrag, Leasingvertrag, Public Private Partnership-Vertrag, zukünftige

Gebühreneinnahmen eines Abfall- oder Wasserunternehmens usw.) kann zu so einem

handelbaren Finanzprodukt gemacht werden;

- Collateralized Debt Obligations (CDO), also die Zusammenfassung verschiedener Bündel von

verbrieften Krediten und Weiterverkauf dieser verbrieften Kreditbündel;

- Asset Backed Securities (ABS), also langfristige Kapitalkreisläufe auf der Basis realer Werte;

hierher gehört z.B. das Cross Border Leasing;

- Derivate, also abgeleitete Finanzprodukte, z.B. Wetten auf die Entwicklung von Aktien- und

Devisenkursen;

- Finanzgetriebene Fusionen und Übernahmen;

- Leerverkäufe von Wertpapieren;

- im weiteren Sinne gehören auch verschiedene Formen von Privatisierungen öffentlichen

Eigentums und Public Private Partnership dazu.

Manchen dieser Finanzpraktiken kann man in der ursprünglichen Form durchaus einen gewissen Sinn

bescheinigen. Sie werden aber pervertiert durch das wesentliche Merkmal, dass das Kapital, das für

solche Produkte und für solche Transaktionen benötigt wird, im wesentlichen nicht durch Eigenkapital

des Käufers, sondern durch Kredite bei anderen Finanzakteuren aufgebracht wird und aus jeder

Transaktion ein neues Finanzprodukt gemacht werden kann. Das machen nicht nur Hedgefonds und

Private Equity-Fonds, sondern alle Finanzakteure.

Interviewer: In welcher Beziehung stehen diese Finanzprodukte zur Staatsverschuldung?

Dr. Werner Rügemer: Die meisten dieser Transaktionen wurden durch die Regierungen von der

Besteuerung befreit. Durch die Auszehrung der ökonomischen Substanz werden Arbeitsplätze

vernichtet, dadurch entstehen weitere Steuerausfälle. Der wesentliche Beitrag zur Staatsverschuldung

besteht aber darin, dass die Lobby der Finanzakteure so stark war und ist, dass die Staaten nun in der

Finanzkrise die Verpflichtungen der Finanzakteure übernehmen.

Abbildung: Entwicklung der Staatsverschuldung Deutschlands von 1960 bis 2007 – Quelle:

Statistisches Bundesamt Deutschland (Quelle: Wikipedia)

Kommentar zur Abbildung von Dr. Rügemer: Die Tabelle mit der deutschen Staatsverschuldung ist

eine typische Wikipedia-Verharmlosung. Die Verschuldung ist wesentlich höher: Die auch in diesem

Interview ja genannte 480 Milliarden Bankenrettungsermächtigung ist aus dem Bundeshaushalt

ausgegliedert, kommt aber am Ende der Operation in den Bundeshaushalt. Genauso geht es mit allen

anderen Bankenrettungsmaßnahmen, z.B. den 10 Milliarden für die IKB (war schon vor dem 480-

Milliarden-Paket) und mit den Garantien für die „Bad Banks“; wurde von der Europäischen

Kommission legalisiert und für die ganze EU erlaubt/vorgeschrieben (damit man kosmetisch die

Maastrichter Kriterien einhalten kann). Auch die Bundesländer und Kommunen haben

Schattenhaushalte; auch die PPP-Verträge (30-Jahres-Mietverpflichtungen) muss man als versteckte

Schulden betrachten.

Interviewer: Wie beurteilen Sie die Staatsverschuldungen der Länder? Können die je getilgt werden

oder führen Sie eher zur Erpressbarkeit von Staaten oder dem Kollaps des Systems?

Dr. Werner Rügemer: Alle wichtigen Staaten der „westlichen Wertegemeinschaft“ sind seit langem

überschuldet. Es gehört sozusagen perverser Weise zu den Grundwerten des so ach so

wertbewussten „Westens“, dass man überschuldet ist. Auf reguläre Weise und nach der bisherigen

Praxis können diese Schulden nie mehr zurückgezahlt werden. Die schon bisher bestehende

Überschuldung war ja eine der Voraussetzungen, dass die Banken, bei denen die Staaten verschuldet

sind und von denen sie immer weitere Kredite haben wollen, so mächtig werden konnten, um die

bisherigen Regulierungen außer Kraft setzen zu lassen. Dieses ungleiche Kräfteverhältnis wird durch

die Bankenrettung noch ungleicher, die Staaten werden noch erpressbarer bzw. kooperationswilliger.

Das ist ein Zustand der Korruption, auch wenn sie strafrechtlich nicht fassbar ist. Dabei wird der

politische Wille der Mehrheit gebrochen. Das ist die eigentliche Bedeutung von Korruption. Dabei

kommt es wie jetzt aber nicht zu einem „Kollaps des Systems“, jedenfalls nicht des ineinander

fließenden Systems Staat-Finanzakteure, sondern zur weiteren Auszehrung der ökonomischen

Substanz, der Demokratie, der Lebensqualität und Lebenssicherheit der Bürger. Auch in den so

genannten reichen Staaten hungern Millionen Menschen und sterben vorzeitig.

„5 Argumente, sofort die Rückzahlung der Staatsschulden zu

stoppen“

Interviewer: In welchem Zusammenhang sehen Sie Staatsverschuldung und das FIAT –

Geldsystem? Sie geben zu bedenken (siehe später in diesem Interview; die Redaktion), dass die

Zentralbanken der Länder ja eigentlich Banken unter privater Kontrolle sind. Diesen Banken könnte

man unterstellen, sie hätten die Staatsschulden mit Absicht in die Höhe getrieben. Immer mehr

Menschen bezeichnen das Geldsystem als Betrug. Die logische Konsequenz wäre, die Zahlung der

Staatschulden an die privaten Banken sofort zu stoppen und das bereits gezahlte Geld zumindest

teilweise zurückzufordern. Zudem müsste man die Verursacher und Helfer der Misere vor Gericht

stellen. Was halten Sie von diesen provokanten Forderungen?

Dr. Werner Rügemer: Nicht alle Zentralbanken stehen so direkt unter privater Kontrolle wie in den

USA. Der Unterschied wird aber gerade durch die gegenwärtige Bankenrettung immer geringer. Ob

die Banken die Staatsschulden absichtlich in die Höhe getrieben haben – absichtlich im

strafrechtlichen Sinne -, weiß ich nicht, dazu brauchen wir interne Unterlagen aus den Banken, die

haben wir noch nicht.

Aber folgendes ist klar:

1. Die Banken haben Kredite an Staaten vergeben und tun dies weiter, ohne einen

professionellen Rückzahlungsplan auszuhandeln. Sie vergeben Kredite also leichtfertig,

verantwortungslos. Deshalb können sie auch nicht verlangen, dass man ihnen solche Kredite

einfach „ganz normal“ zurückzahlt.

2. Bestimmte von den Banken geförderte und finanzierte Praktiken führen zu zusätzlicher

Verschuldung, wie ich es anhand von PPP erläutern werde (Anmerkung der Redaktion: siehe

später in diesem Interview). Es gilt auch für andere Formen der Privatisierung; es gilt auch,

wie schon gesagt, für die gegenwärtige Form der Bankenrettung.

3. Wie wir zudem aus dem Handel mit CDOs und ähnlichen Finanzprodukten wissen, wussten

viele Banker in ihrem hektischen Gewinnstreben oft selbst nicht Bescheid, was für Folgen ihr

Tun hat. Sie haben die Schneeballsysteme in Gang gesetzt, ohne die Folgen zu kennen. Auch

daraus muss eigentlich abgeleitet werden, dass der Staat nicht die Folgen zu tragen hat.

4. Anwälte haben Finanzprodukte wie das Cross Border Leasing mit hohem juristischem

Aufwand betrügerisch in ihrem Wesen verschleiert; Desinformation gehört zum neoliberalen

Paradigma.

5. In den langjährigen Kampagnen zum Schuldenerlass für Entwicklungsländer wurde das

Kriterium „illegitime Schulden“ entwickelt, etwa wenn üppige Kredite an Diktatoren vergeben

wurden, wo klar war, dass diese sich selbst bereichern. Das Kriterium „illegitime Schulden“ ist

auch auf die Überschuldung der „entwickelten“ Staaten anzuwenden, mit der Folge, dass

solche Schulden nicht oder nur teilweise zurückgezahlt werden.

Das bürgerliche Recht würde ausreichen, dass Banker vor Gericht gestellt werden, wenn Justiz und

Politik den Willen dazu hätten. Der Staat könnte auch ein Moratorium beschließen: Ein Jahr lang

werden keine Schulden zurückgezahlt, zum Beispiel. Der Staat könnte alle einzelnen PPP-Projekte,

Privatisierungen, Kreditvergaben usw. durchgehen und entscheiden: Dies und jenes wird nicht

zurückgezahlt.

Interviewer: Zu welchen Konsequenzen könnte das führen?

Dr. Werner Rügemer: Einzelne Städte und Staaten würden anfangen, ihre Schulden mit guter

öffentlicher Begründung nicht mehr zurückzuzahlen.

Interviewer: Sie haben eines der wenigen Bücher über „Cross Border Leasing“ (CBL) geschrieben (z.

B. hier erhältlich ; die Red). Dieses Finanzprodukt wird in den Massenmedien lediglich als Möglichkeit

für Unternehmen, Steuern zu sparen heruntergespielt. Können Sie allgemeinverständlich erklären,

worum es sich handelt?

Dr. Werner Rügemer: Ich glaube, dass ich das einzige Buch über Cross Border Leasing geschrieben

habe, in dem dieses Finanzprodukt vollständig und unabhängig von den Finanzakteuren dargestellt

wird. Cross Border Leasing ist ein „strukturiertes Finanzprodukt“, das zur Gruppe der Asset Backed

Securities gehört. Als ich 1999 unvermutet darauf stieß, habe ich zunächst fast nichts verstanden.

Damals gab die Stadtverwaltung Köln bekannt, dass sie einem „Investor“ in den USA für 100 Jahre

die kommunale Kanalisation verkauft und zurückmietet. Der Investor mache das, weil er für diese

Auslands-Investition vom US-Staat einen erheblichen Steuervorteil bekomme, davon gebe er der

Stadt einen kleinen Teil ab. Das sei leicht verdientes Geld, mit dem die verschuldeten Städte ihre

Haushalte aufbessern könnten. An den Betreiberpflichten der Stadt ändere sich nichts, der Investor

wolle nicht eingreifen, er sei nur an der Finanztransaktion und am Steuervorteil interessiert. Außerdem

dauere das Vertragsverhältnis nicht 100 Jahre, sondern nach 30 Jahren gebe es eine

Kündigungsoption. Es gebe kein Risiko bzw. eventuelle Risiken seien „beherrschbar“, so hieß es.

Abbildung: Köln (Quelle: Wikipedia)

Dutzende Städte in Deutschland und Westeuropa haben solche Transaktionen gemacht. Erst nach

langen Recherchen kam ich dahinter, um was es eigentlich ging. Alle Medien wie der Spiegel, die

Süddeutsche Zeitung und die öffentlich-rechtlichen Sender, also auch diejenigen, die als „kritisch“

gelten und ungleich mehr Recherchemöglichkeiten haben als ich, glaubten jahrelang den Erklärungen

der Stadtverwaltungen. In Wirklichkeit geht es bei Cross Border Leasing um folgendes: Der „Investor“

ist eine US-Bank oder die Finanztochter eines US-Energiekonzerns. Im Falle der Kölner Kanalisation

war es die First Union Bank in North Carolina. Um den größten Teil des Kaufpreises von 2 Mrd. DM

aufzubringen, nahm sie bei zwei anderen Banken 30 Jahre lang laufende Kredite auf, z.B. bei der

Norddeutschen Landesbank. Die First Union Bank zahlte die 2 Mrd. DM in eine außerbilanzielle

Zweckgesellschaft in der Finanzoase Delaware ein, die war der eigentliche Vertragspartner der Stadt

Köln. Diese Briefkastenfirma, die von einer Treuhänderfirma in Wilmington/Delaware verwaltet wird,

zahlte die 2 Mrd. $ nicht an den Verkäufer, die Stadt Köln, aus; die Stadt bekam nur 4 Prozent der

Kaufsumme, also 80 Millionen DM, sofort am ersten Tag. Der „Rest“ von 1,920 Mrd. DM wurde sofort

an drei weitere Banken zur 30jährigen treuhänderischen Verwaltung ausgezahlt, sie zahlen namens

der Stadt 30 Jahre lang aus dem Betrag die Leasingraten an den „Investor“. So war es jedenfalls

vereinbart.

„Die Banken schaffen sich gegenseitig Vorteilssysteme zu Lasten

der Bürger“

Der langen Rede kurzer Sinn: Bei Cross Border Leasing ist der Steuervorteil der als „Investor“

auftretenden Bank nur ein Nebenaspekt. Das Wesentliche besteht darin, dass 6 Banken

untereinander einen auf 30 Jahre angelegten Kapitalkreislauf organisieren. Jede Bank hat bei dieser

Geldschöpfung einen Vorteil:

- Die Investorbank hat einen Steuervorteil,

- die beiden kreditgebenden Banken können 30 Jahre lang Zinsen kassieren,

- die drei Banken, die den Kaufpreis ausgezahlt bekommen, erhalten einen kostenlosen Kredit.

- Und für den Briefkastenverwalter fallen schöne Gebühren an,

- ebenso Honorare für die Anwälte, die die 2000-Seiten-Verträge verfassen,

- Honorare für die Wirtschaftsprüfer und die Ingenieurbüros, die den Wert der Kanalisation

begutachten,

- Honorare für die Steuerberater,

- und dann noch erhebliche Honorare für die so genannten Arrangeure, die zwischen Stadt,

Investor, Banken und Beratern vermittelt haben. In Köln war die Deutsche Bank der

Arrangeur, die Anwälte kamen von Allen & Overy.

Auch das ist wesentlich bei den strukturierten Finanzprodukten: eine ganze Horde „renommierter“

Berater sichert ab, verleiht Seriosität und verdient mit. Arrangeure waren in Deutschland übrigens vor

allem die Deutsche Bank, Daimler Chrysler Financial Services und die australischen Banken Macqarie

und Babcock & Brown.

„Desinformation der Öffentlichkeit und absolute Geheimhaltung“

Und wir stoßen bei Cross Border Leasing auf weitere typische Merkmale neoliberaler Finanzpraktiken.

Da ist erstens die Desinformation der Öffentlichkeit, verbunden mit absoluter, strafbewehrter

Geheimhaltung. Die Verträge durften von den Abgeordneten und Stadträten nicht eingesehen werden.

Da ist zweitens die Tatsache, dass keine Realinvestition stattfindet; der „Investor“ benutzt die

Kanalisation nur als Vehikel für ein Finanzgeschäft, er investiert keinen einzigen Cent in sein

Eigentum, die Kanalisation, vielmehr unterwirft er es einer 30jährigen Zwangsjacke, tiefgreifende

technische Innovationen sind verboten, weil die ursprüngliche Struktur erhalten bleiben muss. Und da

ist drittens noch ein Merkmal: die Staatshaftung. Die 4prozentige Auszahlung an die öffentliche Hand,

„Barwertvorteil“ genannt, war in Wirklichkeit eine Versicherungsprämie. Dafür hat in unserem Fall die

Stadt Köln die Garantie übernommen, dass der 30jährige Kapitalkreislauf nicht unterbrochen wird

bzw. dass die Stadt mit neuen Sicherheiten einspringt, falls der Kreislauf zu stocken anfängt.

Interviewer: Bleiben wir bei diesem Beispiel CBL. Sie behaupten, durch das Mindestreservesystem

ist CBL ein Tool, ein „virtuelles Finanzkarussell“ zu ermöglichen. Können Sie uns die Wirkungsweise,

die Folgen sowie den Zusammenhang mit der derzeitigen Finanzkrise erklären? Vorab wäre eine

Definition des „virtuellen Finanzkarussells“ wichtig.

Abbildung: Das Bankenviertel Frankfurt am Main von der Zeilgalerie aus gesehen (Quelle: Wikipedia)

Dr. Werner Rügemer: Hier gelten eben keine Vorschriften für Mindestreserven. Sie werden durch die

Interbankengeschäfte und ihre Auslagerung in außerbilanzielle Zweckgesellschaften umgangen,

ausgehebelt. Und das „Finanzkarussell“ bzw. das „Karussellgeschäft“ macht nur den Anschein, virtuell

zu sein. Es sieht erstmal tatsächlich so aus. Aber durch die Garantenstellung der öffentlichen Hand

wird aus den virtuellen Forderungen eine reale Forderung an den Staat, falls eine der beteiligten

Banken in Schwierigkeiten kommt. Genau das erleben wir jetzt in der sogenannten Finanzkrise und

der Art und Weise, wie der Staat die Finanzakteure rettet. Das Finanzprodukt Cross Border Leasing

brach deshalb zusammen, weil Gerichte in den USA im Jahre 2008 nach langwierigen

Auseinandersetzungen zwischen Finanzämtern und Investoren definitiv den Steuervorteil als

gesetzwidrig beurteilt haben. Deswegen stiegen die Investoren aus den Verträgen aus. Die anderen

beteiligten Banken hatten aufgrund der Staatshaftung den bequemen Ausweg, ihre Ausfälle zuerst bei

den Städten und dann bei den staatlichen Rettungsmaßnahmen zu präsentieren.

Interviewer: Es gibt keine Mindestreservesätze bei diesen Geschäften?

Dr. Werner Rügemer: Durch die außerbilanziellen Interbankengeschäfte wird die traditionelle

Mindestreservenregelung ausgehebelt. Dies ist materiell-rechtlich nicht ungesetzlich, weil die Staaten

das zugelassen haben und weil die Wirtschaftsprüfer, die ja in Eigenregie die Bilanzierungsregeln

gestalten, dies abgesegnet haben.

Interviewer: Beschreiben Sie weitere Szenarien, wie das von Ihnen als „virtuelles Geldkarussell“

bezeichnete System den Normalbürger bedroht?

Dr. Werner Rügemer: Am bekanntesten sind die Hypothekenkredite, die von Banken betrügerisch an

Millionen von US-Bürgern vergeben wurden. Es wurde mit Niedrigstzinsen gelockt, die aber nur für die

Anfangsjahre galten. Es wurden keine Prüfungen gemacht, ob die Kreditnehmer auf Dauer

zahlungsfähig sind. Es wurden auf die kreditfinanzierten Eigenheime und Appartements, mit

Spekulation auf steigende Werte der Immobilien, neue Kredite vergeben. Die Banken haben gar nicht

darauf gesetzt, dass die Kredite wirklich in 20, 30 oder 40 Jahren regulär zurückgezahlt werden,

sondern die Banken haben aus diesen Krediten ein Finanzprodukt gemacht und möglichst schnell an

weitere Banken weiterverkauft. Es war klar, dass dieses spekulative Schnellballsystem irgendwann

zusammenbrechen muss, wie jedes Schneeballsystem. Die Folgen sind dreierlei: auf die

zahlungsunfähigen Kreditnehmer kommen Zwangsvollstreckungen und Armut zu; der Staat springt in

vielen Fällen ein und übernimmt mit Steuergeldern einen Teil der Zahlungen an die Banken und

verschuldet sich damit noch weiter; einzelne Banken gehen pleite.

„Die Banken blähen die Geldmenge völlig unkontrolliert auf und

erzeugen regelmäßige Krisen“

Interviewer: Sie sagten, die Banken würden mittels dieses Systems untereinander Geschäfte

machen, die staatlich unkontrollierte Geldmenge extrem aufblähen. Beschreiben Sie bitte diese

komplexe Thematik.

Dr. Werner Rügemer: Bleiben wir bei den soeben genannten Hypothekenkrediten. Wenn eine Bank

z.B. 10.000 Einzelkredite zu einem Finanzprodukt bündelt und verbrieft, also an eine andere Bank

weiterverkauft, dann nimmt diese zweite Bank bei einer dritten Bank Kredite auf, um das Bündel zu

kaufen. Die zweite Bank verkauft aber das Bündel weiter an eine vierte Bank, die den Kaufpreis

dadurch aufbringt, dass sie bei einer fünften Bank einen Kredit aufnimmt undsoweiter undsofort. All

dies geschieht über die genannten außerbilanziellen Zweckgesellschaften, die keiner bisherigen

Kontrollinstanz unterliegen, weder der Zentralbank noch den Aufsichtsräten der Banken.

Interviewer: Welche Forderungen stellen die privaten Banken derzeit an die Regierungen der Welt

und wie werden diese erfüllt?

Dr. Werner Rügemer: Nachdem die Schnellballsysteme wie im Fall von Cross Border Leasing und

der Hypothekenkredite zusammengebrochen sind, entstehen den Finanzakteuren Ausfälle. Diese

Ausfälle werden nun den Regierungen präsentiert, die an Stelle der nicht mehr zahlungsfähigen oder

nicht mehr zahlungswilligen Vertragspartner einspringen und zahlen sollen. Wie und welche

Forderungen genau und in welcher Höhe erfüllt werden – darüber wissen wir wenig, weil die

Rettungsmaßnahmen unter höchster Geheimhaltung durchgeführt werden. Die Rettungsmaßnahmen

werden durch die Betroffenen selbst durchgeführt. Die Brandstifter haben sich blitzschnell und sehr

routiniert in Feuerwehrleute verwandelt, als hätten sie sich jahrelang darauf vorbereitet.

„Die Kontrollkommission des Bundestages bekommt geschwärzte

Berichte über den Verbleib der Gelder“

Interviewer: Wie kann es geheim gehalten werden, wie die Steuergelder der Bürger ausgegeben

werden? Wie können die Brandstifter sich in Feuerwehrleute verwandeln, sprich aus der privaten

Bankenwirtschaft schnell in die Politik überwechseln?

Dr. Werner Rügemer: Zum Beispiel hat der Deutsche Bundestag nach kurzer Diskussion eine

pauschale 480 Milliarden Euro-Ermächtigung beschlossen, um damit die Banken zu retten. Die

Ausführung wurde einer ausgelagerten neuen Behörde (Soffin, Sonderfonds

Finanzmarktstabilisierung) überlassen, die ohne zeitliche Begrenzung außerhalb des

Bundeshaushalts die 480 Mrd. verteilen kann. Der Soffin braucht dazu keine öffentliche Rechenschaft

zu geben. Wenn der Soffin seine Tätigkeit beendet, werden die Schulden, die er gemacht hat, einfach

auf den Bundeshaushalt übertragen. Es gibt eine parlamentarische „Kontrollkommission“ mit 9

Bundestags-Abgeordneten, die aber zur Geheimhaltung verpflichtet sind; und selbst sie bekommen

nur Berichte, die teilweise geschwärzt sind. Die Geheimhaltung ist aber, wie ich es schon beim Cross

Border Leasing geschildert habe, ein konstitutives Element der neoliberalen Ökonomie, das gilt auch

bei Privatisierungen und PPP.

Interviewer: Welche Rolle spielt die „Wall Street“?

Dr. Werner Rügemer: Mit „Wall Street“ wird traditionell das US-Finanzzentrum in New York

bezeichnet. Zur Wall Street gehören aber inzwischen auch die Weltbank und der Weltwährungsfonds

in Washington und die ausgelagerten offshore-Zentren von US-Finanzakteuren wie Delaware, die

Cayman Islands, die Bahamas usw. Zur Wall Street gehören inzwischen nicht nur Banken, sondern

auch die einschlägige Beraterbranche wie die Wirtschaftskanzleien, Wirtschaftsprüfer,

Unternehmensberater, Ratingagenturen. Zur Wall Street muss man inzwischen auch die City of

London zählen, denn durch die extremen Deregulierungen unter der Regierung von Margret Thatcher

während der 80er Jahre in Großbritannien haben viele Firmen der Wall Street Dependancen in

London errichtet.

Abbildung: Der Bulle im Bowling Green Park nahe der Wall Street (New York City) als Zeichen für

„börslichen Optimismus“ (Quelle: Wikipedia)

So hat etwa der größte Versicherungskonzern der Welt, American International Group (AIG), einen

großen Teil seiner krisenverursachenden Transaktionen über die Londoner Niederlassung

abgewickelt. Mit dem eigentlich anachronistischen Begriff „Wall Street“ ist also das konzeptionelle und

weltweit ausstrahlende Zentrum der neoliberalen Finanzwelt gemeint, das aus mehreren Orten mit

vielen Mittätern besteht.

„Die staatlichen Hilfen gegen die Krise gehen direkt an die

Verursacher der Krise“

Interviewer: Wo landen die staatlichen Hilfen, die viele Millionen Menschen täglich hart erarbeitet und

als Steuern abgeführt haben?

Dr. Werner Rügemer: Sie landen bei den Verursachern der Finanzkrise. Übrigens haben auch die

Berater wieder viel zu tun. Sie haben z.B. den Städten zu Cross Border Leasing geraten und die

Verträge verfasst, jetzt spielen auch sie Feuerwehr und beraten die Städte wieder. Kanzleien wie

Freshfields und Linklaters, die die Verträge für Cross Border Leasing und andere krisenverursachende

Produkte gemacht und sich auch als politisch Lobby betätigt haben, verdienen jetzt wieder Geld dafür,

dass sie für die Bundesregierung die Gesetze zur Banken- und Unternehmensrettung entwerfen. Die

Investmentbanken, die viel Geld bei Unternehmensfusionen verdient haben, verdienen jetzt wieder

viel Geld, um die fusionierten Unternehmen bei Verkauf der vorher aufgekauften Unternehmen zu

beraten.

Interviewer: Sind die Konsequenzen, die die Regierungen gezogen haben, genügend oder besteht

die Gefahr, dass nach einer Schampause alles weitergeht wie zuvor?

Dr. Werner Rügemer: Die Konsequenzen der Regierungen sind vor allem falsch. Es müssten die

Krisen verursachenden Praktiken verboten werden. Das ist aber nicht der Fall. Deswegen machen die

Finanzakteure mit Verbriefungen, außerbilanziellen Zweckgesellschaften, Derivaten usw. inzwischen

schon wieder weiter als wäre nichts geschehen. Die Schamfrist ist schon vorbei, auch bei den

Auszahlungen der Boni.

Interviewer: Sie sagten, die schlimmsten Pleitebanken sind z.B. die AIG, die IKB oder die HRE. Sie

haben bereits beschrieben, dass sowohl in der Regierung als auch in den Zentralbanken meist genau

die Sorte Manager am Werk ist, welche auch eben in diesen Pleitebanken im Vorstand sitzen. Ist

diese Vermischung nicht äußerst skandalös? Können Sie Namen nennen? Analysieren Sie dieses

Problem ruhig von Grund auf.

Dr. Werner Rügemer: An der Spitze des SoFFin – Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung -, also der

Behörde, die in Deutschland die vom Bundestag pauschal beschlossenen 480 Milliarden Euro zur

Rettung der Banken verteilen soll, steht mit Herrn Rehm ein Banker, der zur Finanzkrise selbst

beigetragen hat. Er war vor der Krise Chef der Norddeutschen Landesbank, die wie vorhin

beschrieben z.B. stark im Cross Border Leasing engagiert war. Der Staatssekretär im deutschen

Finanzministerium, Asmussen, der ein besonders aggressiver Verfechter der Deregulierung war – er

hat sich vehement für die Verbriefung eingesetzt -, ist heute im Namen der Bundesregierung weiter für

das Rettungsmanagement zuständig. Aber auch in den großen Banken wie der Deutschen Bank,

Commerzbank, bei den Versicherungskonzernen Allianz und Münchner Rück – um nur die größten

Krisentreiber zu nennen – sind noch dieselben Vorstände und Aufsichtsräte in der „Verantwortung“

wie vor der Krise. Kein Wirtschaftsprüfer wurde ausgewechselt. Keine Ratingagentur wurde für falsche

und Gefälligkeitseinstufungen gemaßregelt.

Interviewer: Nehmen wir das Beispiel Hypo Real Estate (HRE). In den Medien wird unglaublich viel

darüber berichtet. Der Staat investiert Milliarden, nur wohin fließt dieses Geld? Wer sind die Gläubiger

der HRE?

Dr. Werner Rügemer: Es herrscht Geheimhaltung. Nur zufällig wurde durch eine kurzfristige

Undichtigkeit beim Untersuchungsausschuss des Bundestages ein Teil der Gläubigerliste der HRE

bekannt: Bayerische Landesbank, Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Allianz AG, Münchner

Rück AG.

„Strenges Stillschweigen der Politik gegenüber den Bürgern“

Interviewer: Warum wird über die Gläubiger so gut wie nie berichtet?

Dr. Werner Rügemer: Die Banken dringen auf absolute Geheimhaltung und die Regierungen als

Mittäter spielen mit. Die Aktionäre der IKB hatten auf ihrer Hauptversammlung beschlossen, dass eine

Sonderprüfung durchgeführt wird. Ein Sonderprüfer hat in einjähriger Arbeit einen Bericht erstellt. Die

Deutsche Bank hat durchgesetzt, dass der Bericht nicht veröffentlicht wird. Die Deutsche Bank hatte

der IKB US-Hypotheken-Schrott verkauft und der IKB dafür auch noch die Kredite gegeben. Auch das

kam nur ganz am Anfang der Finanzkrise zufällig heraus, sozusagen im ersten Schreck. Die großen,

„wirtschaftsfreundlichen“ Medien berichten darüber nicht.

Interviewer: Es gibt doch Bankenaufsichten, z. B. die BaFin. Wie kann es sein, dass solche

Finanzprodukte legalisiert und zugelassen werden? Wurden sie vorher nicht oder unzureichend

überprüft?

Dr. Werner Rügemer: Die Bankenaufsichten sind historisch ein Ergebnis der Regulierung. Sie

stammen aus einer Zeit, als die Regierungen noch der Meinung waren, dass die Staaten eine gewisse

Kontrollpflicht haben. So ist z.B. die kompetenteste Bankenaufsicht der kapitalistischen Welt die

Security Exchange Commission (SEC) in den USA. Sie war eine Konsequenz der USReformregierung

Roosevelt nach der ersten Weltwirtschaftskrise. Vorher gab es keine

Bankenaufsicht. 1931 war klar, dass Bilanzmanipulationen ein wesentlicher Grund für die Krise waren.

Die SEC hat staatsanwaltliche Kompetenzen, kann Razzien veranstalten, Strafen verhängen,

inzwischen allerdings eher theoretisch, weil sie seit Beginn der 90er Jahre unter der Präsidentschaft

William Clintons – und einem Finanzminister von der Wall Street – und dann auch unter George W.

Bush schrittweise entmachtet wurde, personell ausgedünnt wurde. Durch eine Reihe von Gesetzen –

Zulassung von Hedgefonds und außerbilanziellen Transaktionen, Verbriefung usw. – wurden die Bankund

Finanzaufsichtsbehörden geschwächt, ausgehebelt. So auch die Bafin in Deutschland. Sie war

allerdings von vornherein nicht so mächtig wie ehemals die SEC. Jetzt bei der Anhörung vor dem

Untersuchungsausschuss des Bundestages zur HRE beklagte sich Bafin-Chef Sanio, er habe zwar

über die Probleme der HRE frühzeitig Bescheid gewusst, habe aber laut Bafin-Gesetz nicht eingreifen

dürfen.

Abbildung: Timothy Geithner, derzeitiger Finanzminister der USA und bisheriger Boss der Federal

Reserve Bank New York (Quelle: Wikipedia)

Interviewer: Hank Paulsen, der ehemalige Goldman Sachs – Boss, wurde unter Bush Finanzminister.

Werden Ihrer Meinung nach privatwirtschaftliche Interessen mit der Funktion als Vertreter des Volkes

vermischt (nicht nur in den USA)? Wie beurteilen Sie den derzeitigen Finanzminister der USA, Tim

Geithner? Ihm wird vorgeworfen, er würde den Staats-Etat für sinnlose Bankenrettungen

missbrauchen.

Dr. Werner Rügemer: Geithner war zuvor Chef der Federal Reserve Bank des Staates New York,

also einer Filiale der US-Zentralbank, damit aber auch der wichtigsten Filiale am Standort der Wall

Street. Da die Federal Reserve Bank (FED) den großen Privatbanken gehört, ist hier die

Vermischung, ja die Identität von privaten Bankinteressen und Staatsinteressen unmittelbar gegeben.

Die Bankenrettung Geithners ist nur für die Bevölkerung und den Staat sinnlos, aber sehr sinnvoll für

die Banken.

„Private Bankiers kontrollieren die US-Zentralbank und damit den

Dollar als Leitwährung der Welt“

Interviewer: Die FED gehört nicht dem Staat, sondern privaten Banken? Und diese haben Kontrolle

über das Weltfinanzsystem, mittels der Leitwährung der Welt, des US-Dollars? Wie kann das sein?

Welche privaten Banken sind das?

Dr. Werner Rügemer: Die FED gehört den großen US-Banken, also den bekannten

Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P.Morgan, der Citigroup und so weiter.

Abbildung: Das „Eccles Building“, Hauptsitz des Federal Reserve in Washington D.C. (Quelle:

Wikipedia)

Interviewer: Was sagen Sie zu den Bilderbergern, der Trilateralen Kommission und dem Council on

Foreign Relations?

Dr. Werner Rügemer: Die wichtigen Banker, Politiker und Konzernchefs, die seit Ende des 2.

Weltkriegs mit den Regulierungen und Reformen der Wirtschaft und der Banken (Bankenaufsicht,

Kartellgesetze, Mitbestimmung, Arbeitsrecht, Mindestlöhne, Devisenkontrolle…) nicht einverstanden

waren, haben sich frühzeitig in solchen Insiderzirkeln zusammengetan. In Deutschland ist z.B. noch

die Atlantikbrücke zu nennen. Dort haben sie erstmal mehr oder weniger im Verborgenen sich selbst

verständigt, neoliberale Ökonomen hinzugezogen, dann über Lobbyarbeit die Entwicklung eingeleitet,

die zur immer hemmungsloseren Selbstbereicherung der Eliten und letztlich zur Krise geführt hat –

wobei für sie das ja gar keine Krise ist, wie wir sehen, sondern eine zusätzliche Quelle der

Selbstbereicherung.

Bild: Hotel de Bilderberg in Oosterbeek, Holland. Treffpunkt der ersten Bilderberger – Konferenz

(Quelle: Wikipedia)

Interviewer: Für unsere Volkswirtschaftler – welche neoliberalen Ökonomen sind das? Können Sie

Namen nennen?’

Dr. Werner Rügemer: Das sind die bekannten neoliberalen Starökonomen wie Milton Friedman aus

dem Umkreis der Mont Pèlerin Society.

Bild: Milton Friedman (Quelle: Wikipedia)

Interviewer: Wenn man sich die Regierung Obama ansieht, besteht sie zu einem Großteil aus

Wallstreet-Funktionären, Mitgliedern der Trilateralen Kommission, dem Council on Foreign Relations

oder der Bilderberger. Was halten Sie davon?

Dr. Werner Rügemer: Obama ist, wie der Kölner sagt, „en nette kääl“, ein netter Kerl, ein netter

Junge. Die meisten Spendengelder – nicht der Zahl nach, sondern der Summe nach – wurden wie bei

den anderen Präsidentschaftskandidaten, auch der Republikaner, durch das in den USA übliche

System aufgebracht: durch große Anwaltskanzleien, die als Sammelstellen in der Finanz- und

Wirtschaftswelt fungieren. Ich kann aber nicht wirklich beurteilen, ob Obama mit seinen angekündigten

Reformen etwa im Gesundheitssystem subjektiv weitergehen wollte als seine Wall Street Boys oder

ob ihm die Grenzen, auf die er als gewählter Präsident stößt, auch etwa in Militär- und

Sicherheitsfragen, von vornherein klar waren. Er bewirkt international an der Oberfläche einen

gewissen Wandel des Politikstils. Entscheidend ist aber natürlich das Ergebnis.

„Obama brachte keinen „Change“ bei der Finanz- und Militärpolitik.

Es geht weiter wie zuvor mit Bush“

Interviewer: Denken Sie, es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Regierungen Bush und

Obama?

Dr. Werner Rügemer: Im äußerlichen Auftreten bestehen wichtige Unterschiede. Die Obama-

Regierung gibt sich diplomatischer, sozialer. Dabei soll aber die weltweit führende Rolle der USA

erhalten bleiben, das von Bush lädierte Image soll verbessert werden. Im harten Kern, bei der Finanzund

Militärpolitik sind bisher keine wesentlichen Unterschiede erkennbar. Obama übernahm die Wall

Street-Boys, auch den Verteidigungsminister aus der Bush-Regierung, kein hoher General wurde

entlassen, die Geheimdienste mit ihren Praktiken bleiben unangetastet.

Bild: US-Soldaten des 141. Infanterieregiments [4] in der Nähe von Bagram (Afghanistan) im Juni

2005 (Quelle: Wikipedia)

Interviewer: In den Massenmedien wird „Public Private Partnership“ (PPP) immer stärker propagiert.

Bitte erläutern Sie dieses Finanzprodukt. Kann es in der aktuellen Situation wirklich helfen?

Dr. Werner Rügemer: PPP ist ein Finanzprodukt, das im Zusammenwirken der City of London und

Tony Blair entwickelt wurde. Als Blair Mitte der 90er Jahre mit seiner auf neoliberal getrimmten Partei

„New Labour“ Wahlkampf machte, war er mit den Ergebnissen der Brutalo-Privatisierungen der

Friedman-Schülerin Margret Thatcher konfrontiert: die Eisenbahnen verunglückten, die Schienen und

Signalanlagen waren marode, der Strom und das Wasser wurden teurer, die Wasserleitungen und

Abwasserkanäle von London waren undicht, zahlreiche Bürger protestierten. Deshalb sagte Blair:

Diese Privatisierung war falsch, wir verkaufen nichts mehr, wir machen Partnerschaft mit den

Konzernen. Mit Beratern wie Price Waterhouse Coopers und Ernst & Young und mit Banken wie

Warburg, Barclays und United Bank of Switzerland wurde PPP aus der Taufe gehoben.

Bei PPP vergibt die öffentliche Hand Aufträge an private Investoren, meist Baukonzerne, um Schulen

bauen oder sanieren zu lassen, auch Krankenhäuser, Tunnels, Straßen, Gefängnisse,

Freizeitanlagen, im Prinzip die gesamte öffentlich genutzte Infrastruktur. Die Investoren übernehmen

aber alles, was zu einem „Rundum-Sorglos-Paket“ gehört: Planung, Bau/Sanierung, Betrieb und

Finanzierung, und dies in der Regel für 30 Jahre, solange zahlt die öffentliche Hand eine Miete, am

Ende kauft sie die Anlage zu einem vereinbarten Preis zurück. Die Begründungen sind im

Wesentlichen zwei: Erstens kann und soll die öffentliche Hand wegen ihrer Überschuldung keine

weiteren Kredite aufnehmen, zweitens machen Private sowieso alles besser. Ich haben in meinem

Buch „’Heuschrecken’ im öffentlichen Raum. Public Private Partnership – Anatomie eines globalen

Finanzinstruments“ die etwa 700 PPP-Projekte in Großbritannien und dann im einzelnen ein Dutzend

bereits angelaufener PPP-Projekte in Deutschland – Schulen, Tunnels, Messehallen, Straßen –

analysiert: PPP ist am Ende mindestens doppelt so teuer und meist nur halb so gut wie wenn der

Staat es selbst macht. Außerdem wird die Gestaltungsfähigkeit des Staates erheblich eingeschränkt.

Wegen der Geheimhaltung der Verträge geht die Demokratie zuschanden.

Abbildung: J.P. Morgan, einer der (immer noch inoffiziellen) Gründer der Federal Reserve Bank der

USA. Die Konzeption der FED fand 1910 unter strengster Geheimhaltung auf Jekyll Island statt, die

Realisierung der FED wurde im Jahre 1913 kurz vor Weihnachten, als der Großteil der zu

verantwortenden Abgeordneten bereits im Weihnachtsurlaub war, durchgewunken. (Quelle:

Wikipedia)

Interviewer: Wie bringen Sie dies in Verbindung mit der Immobilienkrise, die die derzeitige

Finanzkrise verursachte?

Dr. Werner Rügemer: Die Immobilienkrise hat die Finanzkrise nicht verursacht, sondern nur den

Anfang gesetzt. Es war genau genommen auch gar nicht die Immobilienkrise, sondern es waren die

weiterverkauften Immobilienkredite. Und das war nur das erste von zahlreichen Schnellballsystemen,

die im Laufe von zwei Jahren zusammenbrachen. Nach dem Finanzprodukt „verbriefte

Immobilienkredite“ brachen aus jeweils ganz anderen Gründen die Finanzprodukte Cross Border

Leasing, Collateralized Debt Obligations usw. zusammen.

Bild:

Bild: Beispiel eines Schneeballsystem (Quelle: Wikipedia)

Nur in dieser Kombination wurde die Finanzkrise verursacht. Auch die in der Regel 30 Jahre

laufenden PPP-Verträge werden als strukturiertes Finanzprodukt weiterverkauft („Forfaitierung mit

Einredeverzicht“), da steckt also ein weiteres Schnellballsystem, was dann zusammenbrechen kann,

wenn in 10 oder 20 Jahren einzelne Städte oder staatliche Vertragspartner zahlungsunfähig werden.

Das ist ja gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man die erhebliche zusätzliche Staatsverschuldung

nimmt, die jetzt und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durch die gegenwärtige Form der

Bankenrettung verursacht wird. Dabei wird klar, dass die „Finanzkrise“ ein langfristiger Prozess mit

ungewissem Ausgang und weiteren Risiken ist.

„Die Finanzakteure haben über die Staatsschulden die Länder der

Welt unter ihrer Kontrolle“

Interviewer: Denken Sie, komplette Staaten oder Staatenkonglomerate könnten nach dem

Staatsbankrott in mittelferner Zukunft von Unternehmen „aufgekauft“ oder „übernommen“ werden?

Inklusive der Bürger?

Dr. Werner Rügemer: In gewisser Weise sind wir ja schon in dem Zustand, dass wegen der nicht

mehr regulär rückzahlbaren Schulden gerade die größten Staaten von Banken abhängig sind. Der

formelle Staats-Kauf wäre da eigentlich kein ganz neuer Schritt. Wie die gegenwärtige Bankenrettung

zeigt, haben die Finanzakteure den Staat fest im Griff.

Interviewer: Wie definieren Sie das Wort „Neoliberalismus“?

Dr. Werner Rügemer: Zunächst: Neoliberalismus ist kein analytischer, wissenschaftlicher Begriff,

sondern eine Selbstzuschreibung der Akteure. „Liberal“ klingt doch eher positiv, irgendwie nett, oder?

Mir ist aber bisher kein geeigneter Begriff untergekommen, was auch ein Zeichen dafür ist, dass die

kritische wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema seit Jahrzehnten nicht richtig in Gang

gekommen ist. Wir sind immer noch in der Defensive, leider. Das möchte ich gerne ändern.

Abbildung: Alexander Rüstow prägte 1938 den Begriff Neoliberalismus (Quelle: Wikipedia)

Neoliberalismus ist ein Konzept, das verschiedene ideologische Formen annehmen kann. Auch der

italienische Faschismus, der deutsche Nationalsozialismus, die chilenische Diktatur von General

Pinochet waren Ausprägungen, genauso wie die Kapitaldemokratie, die von den USA ausgehend

heute in der „westlichen Wertegemeinschaft“ dominiert.

Der gleich bleibende Kern ist folgender: Die Kapitalseite wird im Extremfall bis zur politischen und

wirtschaftlichen Diktatur gestärkt, die Seite der Arbeit wird geschwächt bis zur Ohnmacht, bis zur

Betäubung. Dabei übernehmen die Finanzakteure die Führung im Bereich des Privateigentums und

erhalten alle Bewegungsfreiheiten, auch solche Freiheiten, die bisherigen staatlichen Regulierungen

widersprechen. Dabei halten sich die Finanzakteure nicht unbedingt an die neuen Gesetze, die ihnen

so viele Freiheiten verschaffen, sondern übertreten in der Tendenz jedes Gesetz, jedes

Menschenrecht und jede zwischenmenschliche Konvention, die ihnen in die Quere kommen.

Die meisten kritischen Stimmen identifizieren den Neoliberalismus vor allem mit der Deregulierung der

Finanzmärkte. Diese Analyse halte ich für unvollständig. Genauso wichtig erscheint mir die

Deregulierung des Arbeits- und Sozialrechts. Nach Milton Friedman, dem wissenschaftlichen Guru der

Neoliberalen, führt der klassische Sozialstaat zum Verfall der Moral und zur Faulheit der

Transferempfänger. Auch der von Gewerkschaften ausgehandelte Tariflohn, der Kündigungsschutz,

der Mindestlohn u.ä. haben für die Neoliberalen solche Folgen für die Beschäftigten. Deshalb werden

im Neoliberalismus die Arbeitslosen gnadenlos kontrolliert, ausgeforscht, bestraft, auf eine

Hungerexistenz gesetzt. Aus denselben Gründen werden die (Noch-)Beschäftigten finanziell,

moralisch, rechtlich herabgesetzt, entwürdigt. Der Tagelöhner-Status ist das neoliberale Idealbild für

die Arbeitskraft. Dies hat zur Verarmung breiter Schichten beigetragen, aber auch zur Aushöhlung der

Demokratie. In dem Sammelband „ArbeitsUnrecht“, das im November 2009 erscheint, habe ich

zusammen mit 20 weiteren Autoren die Deregulierung des Arbeits- und Sozialrechts zum ersten Mal

systematisch dargestellt.

Wir kommen hier außerdem zu einer weiteren, oft nicht genau beachteten Ursache der Finanzkrise.

Übrigens könnte man sowieso sagen: Die jetzige Finanzkrise ist eine Krise der Reichen. Die Armen

hatten schon länger eine Finanzkrise: Stagnation und Absenkung der Arbeits- und Sozialeinkommen

seit Beginn der 90er Jahre, wachsende Armut, wachsende Arbeitslosigkeit, sinkende Leistungen der

Staaten für die weniger Vermögenden z.B. im Bildungs- und Kulturbereich.

Weil der Neoliberalismus von den abhängig Beschäftigten immer mehr Leistung fordert, dafür aber

immer weniger bezahlt, wurde der Konsum notwendigerweise immer mehr durch Kredite

aufrechterhalten.

„Die Menschen werden für ihre Arbeit immer weniger bezahlt,

sollen dabei aber für den Konsum immer mehr ausgeben“

Neoliberale Wirtschaft spaltet die Menschen auf in zwei ganz gegensätzliche Rollen: Als Arbeitende

werden sie abgewertet, als Konsumenten werden sie aufgewertet. Sie bekommen für die Arbeit immer

weniger bezahlt, sollen aber für den Konsum immer mehr ausgeben. Das betrifft nicht nur den Kauf

von Wohnungen, sondern auch Alltagsgeräte wie Fernseher, Autos, Urlaub. Um den bisherigen

Lebensstandard zu halten und sich die neuen Produkte leisten zu können, haben sich Millionen

Haushalte „ganz normal“ überschuldet. Es war und ist nur eine Frage des Zeitpunkts, wann auch

dieses Kartenhaus zusammenbricht, aufgeteilt auf Millionen einzelne Zusammenbrüche. Übrigens

wurden von den Banken auch Kredite für Kühlschränke usw. zu einem Finanzprodukt gemacht,

verbrieft, weiterverkauft.

Interviewer: Wie würden Sie eine Gegenbewegung designen?

Dr. Werner Rügemer: An dieser Frage laborieren viele Individuen und Gruppen, mehr als bisher

öffentlich sichtbar wird. Mir scheint es wichtig, eine Bestandsaufnahme bzw. viele verschiedene

Bestandsaufnahmen zu machen, die erstens verallgemeinern, die aber zweitens sich viel genauer mit

einzelnen Mechanismen beschäftigen als bisher. Bisherige allgemeine Kritiken der „Globalisierung“,

des „Marktradikalismus“ u.ä. scheinen mir nicht hilfreich. Solche Bestandsaufnahmen sollten auch

öffentlich vorgenommen werden, auf öffentlichen Plätzen, in öffentlich wichtigen Gebäuden, unter

Einbeziehung vieler Betroffener, die sich in einfacher Sprache äußern können. Unternehmen und

Einrichtungen, die eigentlich der Demokratie gewidmet sind, müssen wieder angeeignet, demonstrativ

in öffentlichen Besitz genommen werden. Die Geheimhaltung muss aufgebrochen werden.

Geheimnisverrat ist Bürgerpflicht, etwa gerade für Mitarbeiter der Banken, denen staatliche Mittel zur

Verfügung gestellt werden. Am meisten und schnellsten lernen Menschen in der Aktion, im Konflikt,

wenn sie sich auf ihre eigenen Interessen besinnen.

„Geheimnisverrat ist Bürgerpflicht, etwa für Mitarbeiter von

Pleitebanken“

Interviewer: Sie behaupten, dass der Lobbyismus ein wichtiger Bestandteil des Systems ist, die

Bevölkerung der Welt zu enteignen. Können Sie diese Funktionsweise beschreiben?

Dr. Werner Rügemer: Neben dem Lobbyismus sind noch die Berater wichtig. Der heutige, neoliberal

geprägte Lobbyismus funktioniert anders als der traditionelle Lobbyismus, der in Deutschland etwa

durch Organisationen wie den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung

der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), den Deutschen Industrie- und Handelskammertag

(DIHKT), die Handwerkskammern, die zahlreichen Branchen- und regionalen Unternehmer- und

Bankenverbände repräsentiert war und natürlich immer noch ist. Der neoliberale Lobbyismus hat ein

ungeheuer großes Spektrum verschiedener Handlungsformen hervorgebracht: Repräsentanzen

einzelner Konzerne in Regierungsnähe, gekaufte Journalisten, Medienpreise, Spezialagenturen,

getürkte Bürgerinitiativen usw. Der Einfachheit halber verweise ich auf die Organisation lobbycontrol,

die sich damit sehr genau und erfolgreich beschäftigt.

Abbildung: Schema des Lobbying-Prozesses (Quelle: Wikipedia)

Wichtige Akteure sind die Berater. Ich nenne sie die zivile Privatarmee des Neoliberalismus. Das sind

die mehreren hunderttausend, akademisch meist hochqualifizierten Mitarbeiter und Partner der

Unternehmensberatungsunternehmen wie McKinsey, Boston Consulting Group, Accenture, Bain

Capital usw., der Wirtschaftsprüfungsunternehmen wie KPMG, Price Waterhouse Coopers, Ernst &

Young und Deloitte Touche Komatsu, der großen law firms wie Freshfields, White & Case, Clifford

Chance, Shearman & Sterling, Allen & Overy, Linklaters usw. Sie sind bei Privatisierungen,

strukturierten Finanzprodukten, Mergers & Acquisitions, Derivaten dabei, vor und nach der Krise. So

macht etwa die Kanzlei Freshfields, die bei krisenverursachenden Finanzpraktiken vorne dabei war,

jetzt im Auftrag der deutschen Bundesregierungen die Gesetzentwürfe für die Bankenrettung, für den

Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung und für die „Verstaatlichung“ der Hypo Real Estate (HRE).

„Die Medien wie z.B. der Spiegel verschleiern die Wahrheit und sind

vollkommen intransparent“

Interviewer: Sie behaupten, der „Spiegel“ würde von den Bürgern lediglich nostalgisch noch als

„kritisch“ empfunden. Was genau hindert auch die anderen als kritisch geltenden Medien daran, etwa

die „Zeit“, die „Süddeutsche Zeitung“ und ähnliche, die wahren Verhältnisse offenzulegen?

Dr. Werner Rügemer: Auch diese Medien, die eigentlich die Aufgabe haben, Transparenz

herzustellen und die Öffentlichkeit aufzuklären, sind vollkommen intransparent. Gerade durch ihren

Erfolg als kritische Medien, die viel mit dem Aufbruch 1968 ff. zu tun hatten, wurden sie für

Renditejäger interessant. Allgemein kann man feststellen, dass auch die als kritisch geltenden Medien

im Eigentum von Investoren sind, die möglichst hohe Gewinne herausholen wollen und ihre

Unternehmen ebenfalls nach neoliberalen Prinzipien zurichten, mit hoch bezahlten Führungskräften

und einem Heer schlecht bezahlter Schreibsklaven, die textliches Rohmaterial liefern, das von den

hauptamtlichen Redakteuren weiterbearbeitet wird. Journalisten verdienen ihr Brot immer häufiger als

hauptamtliche PR-Agenten, manche Journalisten sind gleichzeitig als „unabhängige“ Journalisten tätig

und nebenbei arbeiten sie als PR-Agenten für Unternehmen.

Abbildung: Gebäude der Spiegel-Gruppe in Hamburg. Links das 1969 gebaute Redaktionsgebäude,

rechts das 1996 von IBM übernommene sogenannte Verlagsgebäude (Quelle: Wikipedia)

Die Unternehmen, private wie staatliche, haben ihre Medienabteilungen zu hoch angesiedelten

Stabsstellen ausgebaut und produzieren selbst professionelle Texte, Videos, Fotos, Filme,

Dokumentationen, beliefern andere Medien. Konzerne beauftragen Journalisten, die in Medien

angestellt sind, mit Gutachten, Moderationen und der Gestaltung von Events. In keinem großen

deutschen Medium, auch nicht etwa in den öffentlich-rechtlichen Sendern, wird veröffentlicht, welche

Redakteure welche Aktien und Unternehmensbeteiligungen haben und welche Firmen sie nebenbei

betreiben. Außerdem bestehen Printmedien heute zum großen Teil aus den vorgefertigten, kaum

abgewandelten Informationen aus weltweit tätigen Presseagenturen, die selbst auch mediale global

player sind. Gerade in Umbruchszeiten und unter der Bedingung allgemeiner Geheimhaltung und

Desinformation spielen Medien eine unglaublich wichtige Rolle, und gerade deshalb können sie zu

höchst lukrativen und zugleich systemsichernden Akteuren werden.

Interviewer: Welche Erfahrungen haben Sie im Medienbereich selbst gemacht?

Dr. Werner Rügemer: Ich möchte nur auf eine neuere Entwicklung eingehen. 2006 habe ich das

Buch „Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim“ veröffentlicht, und zwar

im kleinen Frankfurter Nomen-Verlag. Ich habe darin einige Praktiken der größten Privatbank

Europas, Sal. Oppenheim, dargestellt, die bis dahin noch nicht veröffentlicht wurden. Die Bank hat

seitdem über zwei Dutzend juristische Verfahren gegen mich, gegen den Verlag und gegen andere,

die sich dazu öffentlich geäußert haben, in Gang gesetzt. Gegenwärtig erscheint das Buch immer

noch in der 2. geschwärzten Auflage. Das bedeutetet: Selbst die kleinsten Regungen der Wahrheit

werden heute gnadenlos, minutiös und mit großen Aufwand verfolgt. Nachdem in mehreren

Gerichtsverhandlungen eine Reihe der Schwärzungen aufgehoben wurde, habe ich gegen den

Bankchef Matthias Graf von Krockow Strafanzeige wegen falscher eidesstattlicher Versicherung

gestellt. Denn die Schwärzungen beruhten auf seiner eidesstattlichen Versicherung, die im Falle der

Unwahrheit unter hoher Strafdrohung steht. Aber allein schon gegen den kurzen Bericht, dass diese

Strafanzeige erstattet worden ist, hat die Bank sofort eine Einstweilige Verfügung, also ein

Veröffentlichungsverbot erwirkt, und zwar mit der Begründung, für die Nachricht bestehe kein

öffentliches Interesse. Wohlgemerkt: die Tatsache der Strafanzeige konnte ja nicht bestritten werden,

und inhaltlich konnte ebenfalls nichts bemängelt werden. Andererseits kann man sagen: Wie nervös

müssen diese Leute sein, wie unsicher müssen sie sich auf ihren so sicheren Stühlchen fühlen, wenn

sie auf gerichtlichem Wege solche einfachen Tatsachen aus der Welt schaffen wollen.

Interviewer: Gibt es überhaupt Medien, welche Sie empfehlen würden (gerne mit link)?

Dr. Werner Rügemer: Vor einigen Jahren habe ich die neue online-Zeitung “Neue Rheinische

Zeitung” mitbegründet, www.nrhz.de. Häufig schreibe ich in der Berliner Tageszeitung Junge Welt,

manchmal in der Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik. Auf meiner Website

besteht ein aktueller Dauer-Link (RSS) zu www.nachdenkseiten.de.

„Geheimdienste sind die ausgebufftesten Produzenten von

Kriegsvorwänden“

Interviewer: Was halten Sie von Theorien, der 11. September sei als Kriegsvorwand inszeniert

worden? Und wer sollte in dem Fall Interesse daran haben?

Abbildung: Offizielle Absturzstelle des Flugzeugabsturzes der „United Airlines Flight 93“ nahe

Shanksville, Pennsylvania, 11. September 2001.

Dr. Werner Rügemer: Ich habe mich mit den Hintergründen des 11. September nicht beschäftigt. Es

ist allerdings eine banale historische Tatsache, dass US-Geheimdienste, das US-Militär und USRegierungen

zu den ausgebufftesten Produzenten von Kriegsvorwänden gehören, im zeitlichen und

ursächlichen Zusammenhang mit dem 11. September sind natürlich vor allem die Vorwände zu

nennen, die für die Kriege im Irak und in Afghanistan produziert wurden. Es ist aber doch letztlich

egal, mit welchem Vorwand oder welcher Begründung ein verbrecherischer Krieg geführt wird?

Abbildung: Von einem US-Zerstörer im Mittelmeer wird eine Cruise-Missile auf irakische Stellungen

abgefeuert (Quelle: Wikipedia)

Interviewer: Auf unserem Planeten besitzen weniger als 1% der Menschen mehr als 40% des

Reichtums – Tendenz: steigend. 20%, also die „Westliche Welt“, verbraucht mehr als 80% der

Ressourcen. In der westlichen Welt werden Nahrungsmittel vernichtet, die die hungernde Bevölkerung

der Länder in der Dritten Welt dringend benötigen würde. Wie sehen Sie den Zusammenhang zum

globalen Finanzsystem?

Dr. Werner Rügemer: Die Finanzakteure sind entscheidende Akteure bei der Ungleichverteilung des

geschaffenen Reichtums und bei der Verschwendung, Vernichtung und Verteuerung von Ressourcen.

Denken Sie nur an die spekulative Verteuerung von Grundnahrungsmitteln wie Reis und Getreide.

„Es muss ein neues Finanzsystem geschaffen werden, das die

gerechte Verteilung des geschaffenen Reichtums ermöglicht“

Interviewer: Wir haben nun abgehandelt, was passiert ist und immer noch passiert. Welche

Lösungsvorschläge haben Sie? Sie sprachen von „Good Banks“, den „Biobanken“ der Welt. Was hat

es damit auf sich?

Dr. Werner Rügemer: Die notwendige Antwort auf die Finanzkrise ist folgende: die

krisenverursachenden Finanzpraktiken, die finanzgetriebenen Unternehmensverkäufe und

Privatisierungen sowie die geschilderten Interbankengeschäfte müssen verboten werden. Die

staatlichen Gelder und Garantien müssen dafür aufgewandt werden, um ein Finanzsystem zu

schaffen, das die gerechte Verteilung des geschaffenen Reichtums befördert, das der Volkswirtschaft

und der direkten Schaffung von Produkten und Dienstleistungen dient. Statt die Garantien für die

Wiederbelebung der „Toxischen Papiere“ des gescheiterten alten Systems in neu ausgegründeten

Bad Banks zu übernehmen, sollte der Staat dazu beitragen, ein System von Good Banks zu

entwickeln.

Interviewer: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass trotz der Krise partei- und nationenübergreifend

nur über die Rettung des Systems diskutiert wird? Warum gibt es keine visionären Ideen, die Krise als

Chance für Veränderungen zu begreifen?

Dr. Werner Rügemer: Es gibt viel mehr alternative Visionen und Vorschläge als öffentlich bekannt

wird. Deshalb gehört zur Entwicklung einer Alternative auch der Aufbau neuer Medien und Netzwerke.

Interviewer: Warum sind Sie nicht mehr Vorsitzender von „Business Crime Control“?

Dr. Werner Rügemer: 2007 wurde ich auf Vorschlag des langjährigen Vorsitzenden gewählt. Ich

hatte angekündigt, dass mein Hauptprojekt in der ersten Zeit die Beschäftigung mit dem Thema

„Arbeits-Unrecht“ sein wird und dass ich dazu eine Konferenz organisieren möchte. Die Konferenz

wurde dann aber vom vorherigen Vorsitzenden massiv und intrigant behindert, der Rest des

Vorstands und die Mitglieder schauten nur zu, ich war zunächst völlig perplex. Die Konferenz fand im

März 2009 statt, die Ergebnisse werden, wie schon erwähnt, im Herbst in einem Sammelband mit

demselben Titel veröffentlicht, die Kampagne gegen verschiedene Formen des Arbeits-Unrechts soll

weitergehen. Das hat in der Organisation BCC aber zu so vielen Reibereien geführt, dass ich mir das

nicht mehr antun wollte. Außerdem wurde auch mein zweiter Vorschlag, ein Banken-Tribunal

durchzuführen, nicht aufgegriffen. Das Banken-Tribunal wird nun in einem anderen Zusammenhang

durchgeführt. So ist das eben: Die gegenwärtige Krise ist so tiefgehend, dass auch ursprünglich gute

Organisationen es nicht schaffen, eine angemessene Antwort zu finden.

Abbildung: Dr. Werner Rügemer (Quelle: Gulli)

Interviewer: Sie möchten sich vernetzen, um gegen die Missstände zu kämpfen. Können Sie

beschreiben, mit wem Sie dies tun möchten?

Dr. Werner Rügemer: Die Kampagne gegen Arbeits-Unrecht wird mit Rechtsanwälten, Betriebsräten,

Journalisten, Gewerkschaftsgruppierungen, Basisinitiativen usw. durchgeführt. Die Organisation attac

hat jetzt beschlossen, ein Banken-Tribunal auf sich zu nehmen; ich hoffe, dass wir dafür auch über

attac hinaus viele Mitmacher, Unterstützer, auch whistleblower finden. Wir müssen die Geheimhaltung

aufbrechen, die Legitimation der Bankenrettung erschüttern, das Geld sinnvollen Alternativen

zuführen.

„Die Geheimhaltung muss aufgebrochen, die Legitimation der

Bankenrettung erschüttert und das Geld sinnvollen Alternativen

zugeführt werden“

Interviewer: Sicherlich gibt es Kritiker, die Sie und Ihre Meinung bekämpfen. Können Sie Namen

nennen und mit welchen Methoden Ihre Kritiker vorgehen?

Dr. Werner Rügemer: Die Bank Oppenheim habe ich schon genannt. Sie hat sich bei vielen

Projekten verspekuliert, etwa als Hauptaktionär der Kaufhauskette Karstadt, bei vielen, auch

kommunalen Immobilienprojekten, beim Derivatehandel, beim Kauf und Verkauf mittelständischer

Unternehmen. Ihre Praktiken hatte ich schon in meinem Buch 2006 offengelegt. Weil die

Bundeskanzlerin, für deren Wahlkampf 2005 übrigens die Bank Oppenheim der größte Einzelspender

war, es sich nicht leisten konnte, diese Bank der Superreichen (sie nimmt nur Kunden auf, die ab 5

Millionen Euro flüssig haben) durch Staatshilfe zu retten, hat die Deutsche Bank die Gelegenheit

ergriffen und kauft sich das teure Schnäppchen. Ich fürchte, da wird mein Lieblingsgegner noch

mächtiger.

Weil ich in meinem Buch „Colonia Corrupta“, das 2002 erschienen ist, den Kölner Klüngel aufgespießt

habe – in dem die Kölner Bank Oppenheim natürlich eine zentrale Rolle spielt -, wurde das Buch aus

allen großen Buchhandlungen verbannt, bekam ich Auftrittsverbote in den Kölner Museen und im

Stadtarchiv, bin ich in den drei großen Kölner Tageszeitungen – die natürlich alle demselben Verlag

des Kölner Stadt-Anzeigers gehören – eine Unperson, deren Namen nicht genannt wird. Das Buch

wie alle meine Bücher werden in diesen Zeitungen nicht mit einer Silbe erwähnt.

Abbildung: Salomon Oppenheim junior, Gründer der Bank Sal. Oppenheim (Quelle: Wikipedia)

Interviewer: Haben wir nun vergessen, Sie etwas zu fragen, was Sie unbedingt noch mitteilen

möchten?

Dr. Werner Rügemer: Ich nenne einfach einen Umstand, der mich trotzdem freut und der in seiner

Ambivalenz wohl auch für unsere gegenwärtige Situation aufschlussreich ist: Obwohl ich in Köln

offiziell nicht existiere, ist inzwischen auch die 5. Auflage von „Colonia Corrupta“ erschienen und

vollständig vergriffen. Und weil die Nachfrage jetzt noch zugenommen hat, hat mir der Verlag – der

natürlich seinen Sitz nicht in Köln hat, sondern in Münster – die Möglichkeit gegeben, eine erweiterte

6. Auflage zu veröffentlichen. Daran arbeite ich gerade.

Interviewer: Vielen Dank für dieses Interview.

Mitwirkende an diesem Interview: Dr. Werner Rügemer (Köln), Jürgen Bloehs (München / Hamburg)

und der Interviewer (Düsseldorf) im Dezember 2009

Übersetzt von Daniel Neun von Radio Utopie, Berlin

Dez 19

Lockerz.com // Was hat es damit auf sich???

Lockerz.com ist in aller Munde und ich selbst bin gerade auch in der Testphase und schau mich dort mal genauer um. Teilnehmen kann man dort nur über eine entsprechende Einladung was natürlich den Dienst noch interessanter aussehen lässt ;) . Um den Dienst kurz zu erklären: Man sammelt dort über verschiedene Arten PTZ-Punkte (Lockerz.com Währung) und diese Punkte kann man dann wiederrum in Geschenke wie zum Beispiel ein MacBook Air, iPod Shuffle,… eintauschen. Schöne Sache oder? Ja ich weiß… Wie können die das Finanziell handeln?

Nov 11

Kurztipp: vim – Rechtschreibprüfung

Der Editor vim kann bekanntermaßen alles, was ein Editor können muss. Von Syntaxhighlighting über korrekte Einrückung und Verwendung regulärer Ausdrücke bis hin zum einfachen Aufruf von Unixkommandos, der Nutzung sind keine Grenzen gesetzt.

Ein weiteres sehr wichtiges Feature, das anscheinend aber nur wenige kennen, ist die integrierte Rechtschreibprüfung. Diese lässt sich leicht folgendermaßen aktivieren:

Sep 19

Software Freedom Day 2009

Habt ihr heute noch nichts zu tun? Dann könnt ihr euch ja überlegen, an einer der Veranstaltungen zum Software Freedom Day teil zu nehmen. Wenn ihr nicht wisst, was der SFD ist, klickt hier.

Grob zusammengefasst geht es an diesem Aktionstag darum, freie Software zu fördern und zu verbreiten. So gestaltet zum Beispiel die LUG Balista (Hamburg) einen Tag mit verschiedenen Vorträgen, zum Beispiel über OpenSSH und OpenOffice.org, sowie kleinen Messeständen.

LAZY EVALUATION

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